Abgespeiste Konsumenten: Etiketten lügen wie gedruckt

Veröffentlicht auf von Chris

Im Supermarkt gilt: „Sie können sich auf nichts mehr verlassen!“, sagt Foodwatch-Gründer Thilo Bode und wirft der Lebensmittelindustrie vor, die Konsumenten beim Essen zu verdummen. „Und die Täuschung hat System, denn statt Orientierung zu geben, sollen uns die Etiketten verwirren“.

Zuckerbomben

Meist sind es Qualitätslügen in Sachen Gesundheit, mit denen Hersteller Konsumenten in die Irre führen. Zum Beispiel beim Kinderriegel von Ferrero „für die Extra-Portion Milch“ mit viel gutem Kalzium? Bode: „Um zu dieser Extra-Portion Milch bzw. Kalzium zu kommen, müsste Ihr Kind 13 Riegel essen, sodass es damit umgerechnet fast 50 Stück Würfelzucker und ein halbes Pfund Butter zu sich nimmt.“

 

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Dreiste Werbelüge

Weiteres Beispiel gefällig? Actimel-Joghurt stärkt laut Danone die Abwehrkräfte. Also ein Gesundheitswunder? Nein, sagt Foodwatch. Auch herkömmliches Naturjoghurt aktiviert das Immunsystem. Nur wesentlich preisgünstiger. Actimel kostet fast viermal so viel und ist mit zehn bis zwölf Prozent Zucker außerdem ein echter Dickmacher.

Lobby boykottiert

Gegenwärtig darf ungestraft mit Qualitätsversprechen wie „gesund“, „natürlich“ oder „aus artgerechter Tierhaltung“ geworben werden, ohne dass diese Begriffe klar definiert oder geschützt sind, kritisiert Foodwatch. Damit Konsumenten wissen, was sie kaufen, müsse aber festgeschrieben werden, wofür diese Begriffe stehen. Zudem müssten Verbraucher sie auf einen Blick erfassen können. Das EU-weit diskutierte und auch von der Arbeiterkammer geforderte Ampelsystem, das zumindest Fett-, Zucker- und Salzgehalt von Produkten farblich kennzeichnet, wird in Deutschland wie in Österreich von der Lebensmittel-Lobby boykottiert.

Preis kein Hinweis

Wenn nicht drin ist was draufsteht und nicht draufsteht was drin ist – woran sollen sich Konsumenten dann orientieren? Am Preis? „Nicht unbedingt. Billig heißt nicht automatisch schlecht und teuer nicht immer gut“, meint Tilo Bode. „Beim Kauf von Chips kennt man den Anteil an Acrylamid – ein krebserregender Stoff – nicht. Wir haben in Deutschland festgestellt, dass bei Chips von Lidl 50 Mikrogramm Acrylamid pro Kilo enthalten sind, bei Pringles waren es 1600 Mikrogramm. Da dürfte ein Kind gerade mal fünf Stück am Tag essen.“

Mogel-Listen

„Abgespeist“. Das ist der Titel einer Kampagne, mit der Foodwatch Werbelügen und Etikettenschwindel entlarvt und anhand von Mogellisten aufzeigt, was hinter den blumigen Versprechen der Lebensmittelhersteller steckt. Konsumenten werden zum Mitmachen aufgerufen. „Denn“, so „Essensretter“ Bode, „allein können Sie gar nichts ausrichten und nur über organisierte Verbraucherverbände Behörden und Hersteller unter Druck setzen“.

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